{"id":7404,"date":"2021-01-07T13:28:03","date_gmt":"2021-01-07T12:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/liap.eu\/?p=7404"},"modified":"2021-01-07T13:29:09","modified_gmt":"2021-01-07T12:29:09","slug":"die-sprache-radierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liap.eu\/index.php\/2021\/01\/07\/die-sprache-radierung\/","title":{"rendered":"New York-Leipzig"},"content":{"rendered":"<h3>Die Sprache Radierung<\/h3>\n<p>[masterslider id=&#8221;60&#8243;]<\/p>\n<h6><\/h6>\n<h6>W\u00e4hrend in den 1960er-Jahren im Outpost Theater in Westberlin die amerikanische Nationalhymne vor Hollywoodauff\u00fchrungen gesungen wurde, erklang im zweihundert Kilometer entfernten Leipzig h\u00f6chstens die \u201eInternationale\u201c. Ein kultureller Austausch mit den Vereinigten Staaten war erst nach dem Mauerfall wieder denkbar. Eine der \u00e4ltesten Messest\u00e4dte der Welt musste sich gedulden. Stattdessen setzte man in Leipzig k\u00fcnstlerische Traditionen fort und gab das Wissen dar\u00fcber unter anderem an der bereits 1764 gegr\u00fcndeten Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst weiter.<\/h6>\n<h6>Vom Mittelalter bis Anfang des 20.\u00a0Jahrhunderts war Leipzig einer der weltweit bedeutendsten Standorte f\u00fcr das druckgrafische Gewerbe. \u201eEs spricht f\u00fcr die fr\u00fchesten Bestrebungen der Menschheit, zu kommunizieren und miteinander verbunden zu sein\u201c, so die amerikanische K\u00fcnstlerin Katie Armstrong. Um 1900 gab es in Leipzig \u00fcber 180 Druckereien und 840 Verlage.<\/h6>\n<h6>Mit dem Mauerfall kam auch das internationale Interesse an Leipzigs Traditionen zur\u00fcck. Positiv wirkten sich die kulturell \u00e4hnlich gepr\u00e4gten Unternehmenskulturen Amerikas und Sachsens dabei aus, Kooperationen unmittelbar umzusetzen. Die 2007 in einer ehemaligen Baumwollspinnerei von Anna-Louise Rolland gegr\u00fcndete K\u00fcnstlerresidenz LIA\u00a0\u2013 Leipzig International Art Programme gewann die New York Academy of Art zu ihren ersten Partnern, sp\u00e4ter trat die School of Visual Arts New York hinzu.<\/h6>\n<h6>Zwischen den Institutionen begann ein reger kultureller Austausch. Seither verbrachten viele New Yorker Gastk\u00fcnstler und -k\u00fcnstlerinnen Arbeitsaufenthalte von mehreren Monaten in der Residenz. Mit den K\u00fcnstlern Vlado und Maria Ondrej und ihrem unabh\u00e4ngigen Atelier f\u00fcr Radierung Leipzig entstand dabei eine nachhaltige Kooperation: \u201eWir wollten gemeinsam mit New Yorker und Leipziger Ku\u0308nstlern im Spannungsfeld von Malerei und Zeichnung die Grenzgebiete des Mediums ausloten und zeitgen\u00f6ssische Radierung entwickeln.\u201c<\/h6>\n<h6>Seit 2009 laden sie internationale K\u00fcnstler zu sich ein, um mit ihnen in der Sprache der Radierung k\u00fcnstlerisch zu arbeiten. Neun Editionen sind seither entstanden. Diese zehnte nun vereint Arbeiten der deutschen K\u00fcnstler Henriette Grahnert, Franziska Holstein, Volker H\u00fcller, Vlado und Maria Ondrej sowie Matthias Weischer mit Werken der Amerikaner Katie Armstrong, Marcelo Daldoce, John Jacobsmayer, Kylie Lefkowitz und Charlotte Segall.<\/h6>\n<h6>Vergleichbar mit der amerikanischen Black Mountain School wirkt auch diese Kooperation wie ein Katalysator, denn sie zieht lokale und internationale bildende K\u00fcnstler in die Spinnerei, in deren Werkst\u00e4tten, Ateliers und Kunstinstitutionen. Aber auch K\u00fcnstler wie Vlado und Maria Ondrej lehren und geben Meisterkurse in den USA, unter anderem an der New York Academy of Art.<\/h6>\n<h6>Die Sprache der Radierung ist universell und nicht an kulturelle Grenzen gebunden. Kylie Lefkowitz berichtet: \u201eDas Drucken im Atelier f\u00fcr Radierung war ein sehr physischer Prozess und eine neue Erfahrung f\u00fcr mich: das Zerkratzen der Metallplatte mit dem Hammer, mit N\u00e4geln, Stahlwolle, Topfkratzern und Sandpapier. Ich lernte die Technik der Photogravure kennen. Dabei handelt es sich um Fotos digitaler Dateien, die man ins Druckgrafische \u00fcbersetzt.\u201c Die Ausf\u00fchrung ist ein taktiles Verfahren.<\/h6>\n<h6>Der deutsche in New York City lebende K\u00fcnstler Volker H\u00fcller f\u00fcgt hinzu: \u201eDie frei gezogene Linie bleibt zwar pers\u00f6nlich, wird allerdings in S\u00e4ure geworfen, mit Farbe aufgef\u00fcllt sowie gespiegelt und ist daher neutraler. Das ist sehr befreiend.\u201c Die Sprache der Radierung ist facettenreich. Sie kann schwarz-wei\u00df, aber auch im Mehrfarbendruck gehalten sein. Radierung ist eine Konzession an die Macht des Bildes als Sprache. Sie f\u00fchrt anders als digitale Medien an die erlebte Realit\u00e4t heran. Das sinnliche Erleben bei der Ausf\u00fchrung, aber auch beim Betrachten bef\u00f6rdert eine neue Sicht auf die Dinge.<\/h6>\n<h6>Die Radierung erm\u00f6glicht eine Konzentration auf das Bild im Rahmen eines jahrhundertealten Kommunikationsmediums. In seiner Vervielf\u00e4ltigbarkeit \u201er\u00fcckt der Fokus weg vom Bild als Original\u201c, so Franziska Holstein. Damit er\u00f6ffnet es zahlreiche M\u00f6glichkeiten des Transfers, der Kommunikation und des Austauschs. \u201eEs gibt mehrere identische Werke einer Arbeit auf der Welt. Die Idee multipler Werke, die alle austauschbar sind, fasziniert mich. Das Fl\u00fcchtige wird nun selbst zum Bestandteil des Werks\u201c, merkt Kylie Lefkowitz an.<\/h6>\n<h6>Leipziger K\u00fcnstler wie Bastian Muhr, dessen Arbeiten von der amerikanischen Minimal Art der 1960er- und 1970er-Jahre beeinflusst sind, verbrachten Gastaufenthalte in New York. Franziska Holstein ging nach Columbus, Ohio: \u201eDurch die Distanz zur gewohnten Umgebung kann man sich neu verorten.\u201c Amerikanische K\u00fcnstler kommen nach Leipzig. Hier finden sie Freiheiten, die ihnen die gro\u00dfen Metropolen oft nicht mehr bieten k\u00f6nnen: Erschwingliche gro\u00dfz\u00fcgige Ateliers, tradiertes Wissen und Experimentierfl\u00e4chen eingebunden in einen lebendigen urbanen Raum einer kreativen Szene. Internationale und lokale K\u00fcnstler tauschen sich aus, befruchten sich gegenseitig.<\/h6>\n<h6>Katie Armstrong spricht vom \u201eLobgesang auf die wunderbare Seltsamkeit von Einsamkeit beim Ankommen in der Fremde, in einer trotz alledem st\u00e4ndig digital vernetzten Welt, permanent verbunden durch Informationstechnologie.\u201c Der Blick von au\u00dfen sensibilisiert das Sehen. Kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden sichtbar. Kylie Lefkowitz schreibt dazu: \u201eNew York City ist f\u00fcr mich das gro\u00dfe h\u00fcbsche Monster, eine eklektische Metropole, die Kultur und Gesch\u00e4ft in sich vereint. Leipzig empfand ich dagegen als urspr\u00fcnglich.\u201c<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>by Anna-Louise Rolland<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>In cooperation with:<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.radierung-leipzig.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5969 alignnone\" src=\"https:\/\/liap.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/logo-300x42.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"42\" srcset=\"https:\/\/liap.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/logo-300x42.png 300w, https:\/\/liap.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/logo.png 495w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sprache Radierung [masterslider id=&#8221;60&#8243;] W\u00e4hrend in den 1960er-Jahren im Outpost Theater in Westberlin die amerikanische Nationalhymne vor Hollywoodauff\u00fchrungen gesungen wurde, erklang im zweihundert Kilometer entfernten Leipzig h\u00f6chstens die \u201eInternationale\u201c. 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